Ich habe eine KI um einen Onepager für mein Angebot gebeten. Die Antwort kam sofort: »Ich kann dir einen mehrseitigen Onepager schreiben.«
Einen mehrseitigen Einseiter.
Mein erster Impuls war, das der Maschine anzukreiden.
Der zweite war ehrlicher: Sie hat genau das geliefert, was ich bestellt habe.
Der Widerspruch ist nicht entstanden, weil sie schlecht ist. Nicht, weil die Aufgabe zu schwer war. Sondern weil »Onepager« kein Format ist, sondern ein Gefühl.
Ein Wort, drei Silben, mindestens fünf Bedeutungen. Eine DIN-A4-Seite. Ein Slide. Ein PDF mit Grafik und Kontaktzeile. Ein Text, den ein Geschäftsführer in sechzig Sekunden durchliest. Oder alles davon gleichzeitig.
Ich habe keine davon genannt. Ich habe das Wort genannt.
Unter Menschen fällt so etwas nie auf. Wenn du deinem Kollegen sagst »mach mal einen Onepager«, füllt er die Lücke stillschweigend auf — aus dem Projekt, aus dem letzten Kundentermin, aus drei Jahren gemeinsamer Arbeit. Er fragt nicht nach. Er rät. Und meistens rät er nah genug.
Die Maschine rät auch. Sie rät nur ohne diese drei Jahre.
Die Abhilfe ist unspektakulär: nicht den Begriff bestellen, sondern das Ergebnis beschreiben. Eine Seite. Für wen. Was der Leser danach wissen soll. Was auf keinen Fall drinstehen darf. Kein besseres Modell nötig. Kein Prompt-Kurs. Kein neues Tool.
Einen Nebeneffekt erwähne ich noch, weil er oft übersehen wird: Wer eine Aufgabe so beschreiben kann, dass eine Maschine sie richtig löst, hat sie auch für den neuen Kollegen sauber beschrieben.
Bei einem Onepager kostet die Unschärfe eine Viertelstunde. Bei einem Team, das täglich mit »kurzer Bericht«, »sauberer Datensatz« und »schnelle Auswertung« arbeitet, kostet sie ein Pilotprojekt — das am Ende als »die KI konnte es nicht« abgelegt wird.
Es sah aus wie ein Fehler der Maschine.
Es war ein Fehler in meiner Bestellung.
Wenn du drei Leute aus deinem Team getrennt fragst, was bei euch ein »kurzer Bericht« ist — bekommst du dreimal dieselbe Antwort?

